Schaurig schön! Hörnacht für Kinder – Im Radio und in 100 Schulen

Logbuch | 16. Januar 2006 |

Nasskalte Nachtluft, wabernde Nebelschwaden und ein fahler Vollmond. Perfekte Bedingungen für eine Gruselnacht, in der Unerhörtes geschah: Der NDR verlockte Kinder zum Wachbleiben. Von 21 Uhr bis 2 Uhr morgens gab es auf NDR Info einen Gruselmix, der auch den Erwachsenen unter die Gänsehaut ging. In Live-Lesungen traten auf: Wassergespenster, modrige Moorgeister und ein Knocheneinrichter. In Hörbuchausschnitten gingen Gespensterjäger ihrer Arbeit nach, ließ sich der
Graf von Monte Christo, eingenäht in einen Leichensack, über die Klippen der Sträflingsinsel Chateau d’lf werfen, verzweifelte das Gespenst von Canterville an furchtlosen Schlossbewohnern.

Mehr als 100 Schulen folgten der Einladung der MIKADO-Redaktion, nahmen die Hörnacht zum Anlass, mit Kindern der Klassenstufen 3 bis 6 in der Schule zu übernachten. Zentraler Übertragungsort war die Grundschule am Osterwald in Schneverdingen, wo Lehrer, Eltern und Schüler das NDR Team mit Gruselbuffetund furchteinflößender Dekoration empfingen. Die Kinder hatten ihre Aula zur Feier des Tages mit Hunderten selbst gebastelter Fledermäuse und Vampire dekoriert. Dann hieß es: Bühne frei für die Band „Zaches und Zinnober“ und Vorleserin Svenja Pages, die der Schaurigkeit wohltuenden Charme bei-mengte. Christian Buhk moderierte die Hörnacht Im Wechsel mit dem WDR-Kollegen Ralph Erdenberger, der in einer Grundschule in Münster versuchte, das Nervenkostüm der dortigen Schüler zu zerrütten. Mit gutem Erfolg: Während seiner Aussenreportage im stockdunklen Schulwald rief ihm eine 9-Jährige ins Mikrofon: „Wenn Ich jetzt tot gehe, bist du schuld.“

Eine schlaflose Nacht bereiteten NDR Info und WDR 5 auch den Hörern, die das Projekt zu Hause verfolgten. Viele schickten gespenstische Grüße per E-Mail und Telefon. Nur einer beschwerte sich über den „Schlafdiebstahl“. Ansonsten war die Zustimmung zu dem Projekt und seinem listigen Hintergedanken einhellig, Das Rezept, Kinder für Geschichten und Bücher zu begeistern und dabei mit den Schulen zu kooperieren, ist aufgegangen. Daran konnte auch die Untat nichts ändern, die ein bis heute flüchtiger Äthergeist verübte:
Der Start der Hörnacht wurde durch eine Leitungspanne der Telekom schwer beeinträchtigt. Während der Redakteur sich in diesen bangen Minuten physiognomisch Graf Dracula annäherte, bewiesen Musiker, Schauspieler und das NDR Team starke Nerven. Nach kurzem Heulen und Zähneklappern war jedes weitere Grauen in dieser Hörnacht absolut plangemäß. Eben einfach schaurig schön.

JÖRGPETER AHLERS (NDR Mikado)